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Alt und doch neu: Mit EmergencyWP wird Meminto (fast) komplett

Alt und doch neu: Mit EmergencyWP wird Meminto (fast) komplett

Was mit der Entwicklung eines Prototypen 2012 begann, dann unter app.meminto.com im Jahr 2016 zu einer geschlossenen Beta-Software wurde, verwandelte sich zwischenzeitlich mit Meminto Stories zu etwas völlig anderem – kommt jetzt aber mit EmergencyWP wieder zurück: Das Thema “Digitaler Nachlass” ist nicht tot, sondern wird, ganz im Gegenteil, noch zu einem großen Thema werden, je weiter wir bei der Digitalisierung  voranschreiten. Im folgenden Text erkläre ich den Wandel von Meminto zu Meminto Stories und die Entwicklung von EmergencyWP und was die Entwicklung eines weltweit einsetzbaren Plugins für WordPress für mich, das Projekt und die WordPress Community bedeutet.

Die Vorgeschichte

Bereits 2008 kam mir die Idee: Ich hätte gerne eine Software, die erkennt, ob mir etwas drastisches zugestoßen ist. Ein Unfall, der mich unfähig machen würde, mit anderen Menschen zu kommunizieren, oder gar der Tod selbst. Für diesen Fall wollte ich vorsorgen, und zwar nicht nur für mich, sondern als Unterstützung für meine eigene Familie, dann aber auch für meine Kunden, die ich mit meiner Agentur Zählpixel.com betreue. 

Die Software sollte so aufgebaut sein, dass ich im Abstand von 14 Tagen eine kurze Mail bekommen und darin auf einen Link klicken müsste. Diese Bestätigung würde einen Timer zurücksetzen und mich in 14 Tagen erneut nach meinem Lebenszustand fragen. Zwischenzeitlich würde ich Account-Daten, wichtige Informationen für meine Kunden und einfach auch nette Nachrichten an alle Menschen, die mir wichtig sind, dort aufzeichnen und für den Versand vorbereiten – für alle Fälle.

Wie mir die Idee grundsätzlich gekommen ist, wie auch Filme mich dazu inspiriert haben (z.B. Lovelife – Liebe trifft Leben, oder P.S. Ich liebe dich), erzähle ich im Interview mit Lars Bobach und im Beitrag “Wie alles begann“.

Hier noch einmal Das Erklärvideo von 2016 zu Meminto, der Ursprungsidee:

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Abgebogen zu Meminto Stories

Nachdem 2016 die Beta gestartet ist (ifun.de berichtete) und sich mehr als 350 Beta Tester für das Programm beworben hatten, bekam ich 6 Monate lang Feedback und Bug-Meldungen; danach lief das Tool fehlerfrei. Zeit für mich, Gedanken darüber zu machen, wie ein sinnvoller Einsatz möglich war. 

Als ich im PreLab (ein Programm des CyberLab in Karlsruhe) mit der Idee ankam, wandelte sich diese mehr in Richtung “Emotionaler Nachlass”, da mir niemand so richtig abkaufen wollte, dass jemand für einen digitalen Nachlassverwalter Geld zahlen würde. Schließlich war der Benutzer möglicherweise gestorben, die eigentlichen Nutznießer als die Hinterbliebenen, und diese wussten womöglich nicht einmal, dass der Benutzer Meminto eingesetzt hatte! Also – wie vermarkten? 

Weiterhin war es ein Problem der Datensicherheit: Wenn ich die Verantwortung über alle Kundendaten und Informationen hatte, was würde ich mir da aufladen? Schließlich handelte es sich bei diesen Daten meistens um sensible Angelegenheiten, die somit auch interessant für Hacker wären. Am besten also die Verantwortung zurück in die Hände der User geben!?

Bevor ich diese Idee zu Ende denken konnte, war Meminto Stories geboren. Meminto Stories zeigte sich als einfacherer Weg auf, eine Nachfrage zu stillen (Nämlich das Festhalten von Erinnerungen in Form von Büchern, die durch Augmented Video lebendig wurden). Zudem beschäftigt es sich nicht zentral mit dem Tod oder ungewünschten Ereignissen, sondern mit tollen Erinnerungen.

Ich schlug kurzerhand einen andere Weg ein und entwickelte die Software hinter Meminto Stories, bei der sich derzeit jeder kostenlos anmelden kann.. Als sehr erfolgversprechend zog Meminto dann auch ins CyberLab ein, wo es mittlerweile von Mentoren, Business Angels und dem gesamten Team im Lab unterstützt wird und wächst.

Von Meminto zu EmergencyWP

Nachdem Meminto Stories einigermaßen lief und ich wieder ein bisschen Luft hatte, machte ich mich wieder an die Ursprungsidee und verfolgte die Entwicklung von damals weiter, allerdings entschied ich mich, es umzubenennen. Dies hat zum Grund, dass ich ein Tool erschaffen wollte, das gezielt WordPress Benutzer anspricht und bei dem direkt aus dem Namen deutlich wäre, worum es sich handelt: Ein Plugin für Notfälle. Im Grunde genommen dachte ich dabei zunächst an alle WordPress Freelancer wie mich, die möglicherweise den selben Bedarf verspürten, dann aber auch an Menschen, die mit Kundendaten zu tun haben und WordPress zumindest bedienen können (was an sich wirklich nicht schwer ist)

Die Beta zu Meminto hatte ich damals schon gleich auf WordPress aufgebaut. So war es kein schweres Unterfangen, EmergencyWP umzubauen, und es als modulares Plugin mit Add-ons anzubieten. Das bedeutet:

  • Die Grundversion von Meminto wurde zu EmergencyWP. Damit sind wöchentliche Life Checks und unbegrenzte Nachrichten an bis zu drei Personen möglich.
  • Die Premium Erweiterung, EmergencyWP Pro, ermöglicht mehr Optionen, die auch zunehmend funktional ergänzt wird (mehr Life Check Optionen, unbegrenzte Kontakte, tiefergehende Einstellungen, erweiterte Features zu Sicherheit und Logging).
  • Nicht alle Benutzer benötigen Trustees, also Vertrauenspersonen. Obwohl dies ein zusätzliches Sicherheitsnetz bedeutet, gibt es Fälle, in denen jemand niemand mit hineinziehen möchte in seine Planung. Die Gründe dafür können vielfältig sein (eine schwere Krankheit und Tod in absehbarer Nähe, beispielsweise). Auch dieses Feature wurde in ein Add-On ausgelagert.
  • Mit einem weiteren Add-On, Delivery Conditions, können Nachrichten an Hinterbliebene besser zeitlich gesteuert werden. Diese werden dann nicht sofort versendet, nachdem EmergencyWP “merkt”, dass der User nicht mehr da ist, sondern können auf ein bestimmtes Datum gesetzt werden oder erst 6 Monate nach dem Prozessende ausgeführt werden.
  • Das Add-On, das stand heute zuletzt entwickelt wurde, bringt einen weiteren Mehrwert: Über die Verbindung mit Zapier (einem Tool, das über 1500 Apps miteinander über Bedingungen verknüpfen kann) können einerseits nicht mehr nur E-Mail Nachrichten versendet werden. Stattdessen können nun wirklich alle Apps angesteuert werden, die Zapier unterstützt, z.B. kann ein Post bei sozialen Netzwerken abgesetzt werden, Dateien von einem Cloud-Speicher in einen anderen versendet werden, selbst Smarthome-Geräte angesteuert werden (wenn man auf Spielereien steht). Hier sind fast keine Grenzen mehr gesetzt. 
    Andererseits ermöglicht das Add-On aber auch das Zurücksetzen des Life Check Status, was bedeutet, dass man diesen nicht mehr alle x Tage per E-Mail erledigen muss. Dies entlastet so manchen User, der ansonsten immer wieder gefragt wird “Bist du eigentlich noch am Leben!?”. Hiermit kann beispielsweise festgelegt werden, dass jedes Mal, wenn eine bekannte Aktion ausgeführt wird (z.B. das Posten im Instagram Account) der Timer zurückgesetzt werden soll. Erst wenn dies nicht mehr erfolgt, wird wieder auf die E-Mail als Life Check Bestätigung zurückgegriffen.
Die Website von EmergencyWP, Stand Oktober 2019

Weitere Add-Ons sind in Planung und können anschließend über das Premium Paket im Bundle, aber auch einzeln erworben werden, nun soll aber zunächst ein Release der jetzt umgesetzt Features erfolgen. Dies alles über einen Funnel, der momentan aufgesetzt wird und über dessen Erfolg ich in einem späteren Beitrag berichten werden.

Grundsätzlich ist aber geplant, WordPress Nutzer langsam an das Thema heranzuführen und dann die Vorteile einer vorausschauenden Planung aufzuzeigen.

Die Vorteile der Verwendung von EmergencyWP

Die Vorteile, die ich für mich erkannt habe, sind:

  • Auch wenn ich abrupt aus dem Leben gerissen werden sollte, kann ich meiner Frau und meinen Kindern (und vielen anderen Personen) immer wieder kleine, ermutigende Nachrichten zukommen lassen, auch wenn ich diese nicht mehr persönlich auslösen kann
  • Viele, viele Passwörter (derzeit mehr als 500), die ich derzeit einsetze, interessieren meine Frau derzeit nicht, werden aber wichtig werden, wenn nicht mehr ich, sondern sie sich plötzlich darum kümmern muss
  • Ich verwalte von dutzenden meiner Kunden deren gesamte IT, die Passwörter zu Servern und Websites. Manche haben keinen blassen Schimmer, was zu tun wäre, wenn ich plötzlich nicht mehr da bin. Diesen Kunden sind die Daten jetzt auch gar nicht wichtig, später aber von ungeheurem Wert. Ich steigere damit sowohl meinen Wert, da ich ein Alleinstellungsmerkmal anbieten kann im Vergleich zu anderen Freelancern.
  • Der Vorteil, meine Daten nicht bei einem fremden Anbieter, sondern auf irgendeiner meiner eigenen WordPress Installationen liegen zu haben

Ausblick

EmergencyWP ist an und für sich kein neues Projekt. Im Gegenteil: Es ist das alte Meminto, wurde aber projekt-technisch gesehen davon getrennt.

Für die WordPress Community bedeutet es eine ganz neue Möglichkeit, sich mit dem digitalen Nachlass auf eine einfache Art und Weise zu beschäftigen. Inoffiziell und für sich, anstatt offiziell mit Anwalt und Notar.

Ihr dürft mir die Daumen drücken, dass ich den proof of concept erbringen kann und sich weltweit Menschen Gedanken machen, wie sie das Werkzeug damit für sich einsetzen können und ihren Familien und Kunden, Kollegen und Firmen damit einen Dienst erweisen können.

Albert Brückmann

CEO der Meminto GmbH, Freiberuflicher Web-Consultant und Online-Marketer für zählpixel.com Ich bin 100% Geek und digital Native, Ehemann und Vater von drei Jungs im einstelligen Alter. Wenn ich nicht gerade an Projekten arbeite, bin ich als Sprecher auf Konferenzen und Seminaren unterwegs. Als Dozent an der DHBW Mosbach sowie als leidenschaftlicher Mitarbeiter einer Jugendgruppe umgebe ich mich gern mit jungen Leuten. Mein Motto? "Work hard, stay humble." LinkedIn | Twitter | Facebook

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